Therapiekonzept
Streß laß nach!
Von
Susanne Niebergall
Streß ist ganz allgemein
gesehen eine Aktivierungsreaktion. Eine Reaktion, die es ermöglichen soll, sich
schnell auf wechselnde Lebensumstände einzustellen.
Im Alltag begegnen wir
ständig Anforderungen, die andere oder wir selbst an uns stellen.
Zufriedenheit und Wohlbefinden stellen sich ein, wenn wir die Situation, in
der wir uns befinden „im Griff“ haben, wenn wir die an uns gestellten
Anforderungen bewältigen. Mit Streß ist dann zu rechnen, wenn uns die
Anforderungen „über den Kopf wachsen“, wenn wir in unserem Handeln keine oder
nur unzureichende Mittel und Wege kennen, diese Anforderungen zu bewältigen. Und
wenn die bereitgestellte körperliche Energie nicht durch Handlung verbraucht
wird.
Das Gleichgewicht zwischen An- und Entspannung, Aktivität und Ruhe ist oft
gestört.
Streß ist individuell. Jeder reagiert anders und für jeden sind andere Faktoren
stressauslösend. Die Stressdosis wird bestimmt durch:
Die Reaktion auf Streß äußert sich auf unterschiedlichen Ebenen:
-
Die kognitive Ebene Die Wahrnehmung ist eingeengt auf die stressauslösende Situation. Gedanken
wie z.B. „Das schaffe ich nie!“ lösen einen Teufelskreis aus. Es kann zu
Konzentrationsstörungen kommen.
-
Die emotionale Ebene Unter Streß kommen z.B. Gefühle von Angst, Verunsicherung, Nervosität oder
auch Ärger und Wut auf.
-
Die
vegetativ-hormonelle Ebene Hier äußern sich Reaktionen z.B. in Verdauungsbeschwerden, Schlafstörungen
oder Herz-Kreislauf-Beschwerden wie Herzklopfen oder Blutdruckschwankungen.
-
Die muskuläre Ebene Es können sich z.B. allgemeine Verspanntheit, Ticks,
Entspannungsunfähigkeit, Rücken- und Kopfschmerzen, sowie nervöse Gestik
oder auch Stottern zeigen.
In Bezug auf Kopfschmerzen
oder Migräne spielt der Streß noch eine weitere Rolle. Er kann direkt Einfluß
auf die Schmerzqualität haben und damit verbunden auf das emotionale (Wohl-)
Befinden und auf den Spannungszustand der Muskulatur.
Je besser man in
stressauslösenden Situationen zurecht kommt, desto positiver ist die Wirkung auf
die allgemeine Gesundheit.
So wie Stressreaktionen
individuell sind, müssen auch Bewältigungsmöglichkeiten individuell angepaßt
sein.
Stressbewältigung heißt:
-
Stressenergie auch
positiv nutzen. Sie steigert, richtig dosiert, die Leistungsfähigkeit.
-
Streßanalyse: Was
bereitet den Streß, welche Stressoren gibt es, wie reagiere ich in
Belastungssituationen, welche persönlichen Bewältigungsmöglichkeiten sind
vorhanden?
-
Ursache der Belastung
verändern und vorhersehbare Belastung durch entsprechende eigene
Vorbereitung mildern.
-
Die Rolle der eigenen
Gedanken und Vorstellungen kennenlernen. Welchen Einfluß haben Gedanken und
Einstellungen auf das eigene Handeln?
-
Spannungs- und
Entspannungszustände in ein wohl dosiertes Verhältnis bringen.
-
Techniken lernen zur
Entspannung, zum Abschalten vom Alltag, um sich etwas Gutes zu tun. Zum
Beispiel: Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training, Yoga,
Feldenkrais, sportliche Betätigung, Wandern, Hobbys, etc.
-
Gezielte
Problemlösestrategien einsetzen.
-
Zeitmanagement
betreiben.
-
Fertigkeiten aufbauen,
z.B. Kommunikationstechniken, Arbeitsmethodik.
-
Soziale Kontakte
pflegen. Sie geben Rückhalt.
Progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen (PMR)
Die progressive Muskelentspannung wurde 1934 von Edmund Jacobsen entwickelt.
Es ist ein einfach zu erlernendes und zugleich wirkungsvolles Verfahren zur
Entspannung.
In einer festgelegten Reihenfolge werden nach und nach verschiedene Muskeln
und Muskelgruppen des ganzen Körpers angespannt und dann bewußt losgelassen bzw.
entspannt.
Der Spannungsgrad der Muskulatur sinkt nach dem aktiven Anspannen unter das
Anfangsniveau. Die Muskulatur entspannt sich, wird lockerer.
Der Übende nimmt möglichst genau wahr, wie sich die Anspannung und die
nachfolgende Entspannung anfühlt.
Die PMR dient also auch zur Wahrnehmungsschulung für Spannungsunterschiede und
Spannungszustände im Körper. Der Übende lernt, Anspannungen und beginnende
Verspannungen frühzeitig wahrzunehmen und kann dann entsprechend mit Entspannung
darauf reagieren.
Die PMR wird angewandt, um ganz konkret Muskulatur zu entspannen und so
verspannungsbedingte Schmerzen zu verringern. Sie ist aber auch eine sinnvolle
Möglichkeit der Streßbewältigung und der Reduzierung von Angst, da sie positiv
auf das vegetative Nervensystem Einfluß nimmt.
Da Verspannung, Streß oder Angst mit eine Rolle als Auslöser von Kopfschmerzen
spielen, liegt hier ein weiterer Ansatzpunkt der PMR.
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