Kritisches
Prunkstück aus Essen
Aus der Schmiede der Deutschen Kopfschmerzforschung haben Prof. Diener
und seine Mannen von der Neurologischen Universitätsklinik Essen ein
neues Forschungsprojekt auf den Weg gebracht. Es nennt sich
"Migräneregister" und wird von der Firma Almirall (Almogran)
unterstützt. Inhalt der Studie: Über eine Gruppe teilnehmender Ärzte,
zumeist Neurologen und Schmerztherapeuten, werden etwa 1400
Migränepatienten zu einem Anamnesegespräch gebeten. Diese werden nach
ihrer Einwilligung in die Studie zu Dauer, Schwere und Häufigkeit ihrer
Kopfschmerzen in den letzten 3 Monaten befragt sowie nach der bisherigen
Medikation zur Akutbehandlung und Vorbeugung. Alsdann spricht der
behandelnde Arzt eine medikamentöse Therapieempfehlung aus. Die
Patientendaten werden dann an die Uniklinik Essen übermittelt, von wo
nach 3 Monaten den Patienten in einem Telefoninterview wiederum o.g.
Fragen zum Kopfschmerz und der Medikation gestellt werden. Außerdem wird
nach der Zufriedenheit mit der momantanen Medikation gefragt und
überprüft, ob die Empfehlung eingehalten wurde - und wenn nicht, aus
welchen Gründen (z.B. Hausarzt war dagegen oder Angst vor
Nebenwirkungen). Der teilnehmende Arzt wird später über das
Interviewergebnis und darüber, was aus seinen Empfehlungen geworden ist,
informiert.
Mich
stören an der Studie vor allem folgende Punkte: Die Häufigkeit, Schwere und
Dauer der Kopfschmerzen vor dem Studienbeginn wird vom Patienten lediglich
geschätzt. In den 3 nachfolgenden Monaten wird die Beobachtung wegen des
angekündigten Telefoninterviews wesentlich genauer sein. Wie vergleichbar sind
da die Daten und sollte nicht eine mindestens 4-wöchige Vorlaufzeit zur
Beurteilung des Ausgangswertes erfolgen? Würde die Studie natürlich aufwendiger
und teurer gestalten.
Nach 3 Monaten Therapie wird der Behandlungserfolg erfragt. Sämtliche
nichtmedikamentöse Therapieverfahren spielen anscheinend keine Rolle und
sind im Protokoll noch nicht mal zum Eintrag vorgesehen! Auf meine
Nachfrage: Man kann das unter "sonstige Medikamente" aufführen. (Bei uns
machen diese Verfahren gut 2/3 der therapeutischen Bemühungen aus -
www.migraenekur.de - und die Behandlungsgüte wird dann lediglich der
Medikation zugeschrieben? Nein danke.)
Das Ergebnis der Studie dürfte mal wieder lauten:
Triptan xy ist in diesem oder jenem Bereich das scheinbar beste, aber da
jeder etwas anders reagiert, kann man auch die anderen ausprobieren.
Geeignet scheint die Studie vor allem für Patienten mit eher seltener
Migräne, für die es ausreicht, über eine rasche und relativ
nebenwirkungsarme Akutmedikation zu verfügen. Der Hauptzweck des
Projektes dürfte jedoch, ketzerisch formuliert, eher in der schriftlich
fixierten Theapieempfehlung für Präparat xy liegen, das ja schließlich 3
Monate lang genommen werden soll, nebst Angabe eventueller
Verhinderungsgründe!
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