Kritisches
Katja Flint – Kampagne
Die bekannte Moderatorin
Birgit Schrowange berichtet seit einigen Jahren, wie sie mit ihrer Migräne
besser zurecht kommt und stellt u.a. Übungen zur progressiven Muskelrelaxation
vor. Sie unterstützt dabei die Arbeit der Migräne-Liga, gesponsert durch die
Firma MSD (Maxalt).
Seit Herbst 2003 gibt es nun die „Katja Flint –
Kampagne“:
Hoffnung für Migräne – Geplagte, verkündet die Schauspielerin in Fernsehen und
Zeitschriften, gäbe es durch bestimmte Verhaltensregeln und wenn's trotzdem zur
Migräne kommt, so bliebe sie mit nur 2 Tabletten Relpax (Eletriptan) für den
laufenden Filmdreh arbeitsfähig.
Dabei strahlt sie mit blitzender Faust von den Titelseiten.
Schön ist es, dass durch diese Kampagne eine größere Öffentlichkeit für das
Thema Migräne und die Arbeit der Migräne-Liga interessiert werden kann. Sicher
kann etlichen Betroffenen auch durch das Triptan Relpax der Firma Pfizer
geholfen werden. Für diejenigen aber, die nicht auf Relpax oder ein anderes
Triptan ansprechen oder es aus Nebenwirkungsgründen nicht einnehmen können, hat
diese Kampagne auch ihre Schattenseiten:
Zitat einer Migränepatientin: „Wie soll ich meiner Umwelt verständlich machen,
wie schlecht es mir geht – wo es doch die neuen Triptane gibt? So langsam
entsteht bei mir das Gefühl: Pech gehabt und selber Schuld.“
Wer als Patient nicht zum Arzt geht und sich Triptane für den Anfall holt, ist
scheinbar zu dumm oder ein Drückeberger, der nicht arbeiten will.
Schwer vorstellbar aber trotzdem: Frau Flint, im Titelbild über einem
Kotzkübel hängend, würde bestimmt für mehr Mitgefühl werben.
Ich möchte den Jubel um Relpax noch etwas weiter relativieren: Ca. 30 % aller
Patienten, denen in Studien ein Triptan angeboten wird, lehnen die Einnahme
vorneweg aus Angst vor den beschriebenen Nebenwirkungen ab. Diese 30 Prozent
tauchen schon mal in kaum einer Statistik auf – haben jedoch natürlich ebenso
Anspruch auf therapeutische Maßnahmen wie alle anderen! Dann bleiben von den
Probanden 31 % (bei der 40 mg Tbl.) – 35 % (bei 80 mg = 2 Tbl.!!) übrig, die, um
den Placeboeffekt bereinigt, nach 2 Stunden keine oder nur geringe Schmerzen
mehr haben.
Hier ein Zitat aus dem Flint – Artikel im Migräne – Magazin Nr. 22: „Mit einer
geringeren Dosierung von 40 und 80 mg kommt es nur in seltensten Fällen zu
Nebenwirkungen.“ - Es gibt aber in Deutschland nur 20 und 40 mg Tabletten, so
dass man gleich zum Behandlungsstart 2 Tabletten der Höchstdosis einnehmen
müsste, um auf die günstigste 35 % Chance zu kommen. (Diese Anfangsdosierung
wird so auch nicht von Prof. Diener empfohlen, der bei der Relpax-Präsentation
ja nicht fehlen durfte.)
Mit der Dosis von 80 mg liegt Relpax jedoch im Nebenwirkungsvergleich unter
allen Triptanen an 7. Position (von 7). Demnach lässt sich das oben erwähnte
günstige Dosis – Nebenwirkungsverhältnis auch nur auf den Vergleich mit anderen
evtl. frei verkäuflichen Schmerzmitteln beziehen.
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