Kritisches
12 Triptane
Seit einigen Monaten findet in verschiedenen Städten Deutschlands die
Veranstaltungsreihe "Migräne - die verschwiegene Krankheit" statt. Für
die Vortragsreihe wird auch auf den Seiten der Migräne-Liga geworben.
Veranstalter sind: Dr. Jan Brand
(Königstein), Fr. L. Gnandt und Fa. Astra-Zeneca (Ascotop).
Die von mir im Herbst 2002 besuchte
Veranstaltung war interessant, kurzweilig und gut organisiert. Der
Vortrag war kostenlos und auch die Getränke waren umsonst. Resümee für
die Zuhörer: Weniger Stress, geregeltes Leben, Entspannungsübungen und
... jeder Migränepatient hat Anspruch auf die bestmögliche Medikation,
nämlich bis zu 12 Triptane im Monat. - "Sollte das Budget des einzelnen
Hausarztes oder Neurologen dafür nicht ausreichen, muss man sich halt
noch zwei oder drei andere halten". Die Chipkarte macht’s ja möglich!
Wie gut, dass jeder Patient so
verantwortungsbewusst ist und auch pünktlich nach der 12.
Triptantablette im Monat Schluss macht, denn ab 10 - 12 Triptanen pro
Monat steigt das Risiko für medikamenteninduzierten Kopfschmerz und für
eine Medikamentenabhängigkeit.
Aber notfalls gibt es ja auch noch gute
Kliniken, die einen Entzug durchführen können!
Soll sich nur keiner wundern, wenn der
Hausarzt bei der Verordnung von 3 Triptanen im Monat von einem gut
eingestellten und ausreichend versorgten Patienten ausgeht, um den er
sich keine weiteren Gedanken machen muss!
Sich quasi mehrere Ärzte nebeneinander
zu halten, die unter Umständen jeweils nichts von der Verordnung der
Anderen wissen, ist jedoch eine Strategie, die vermutlich manches
gewachsene Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Haus- oder Facharzt
untergräbt.
Ich bin aber auch sehr skeptisch
hinsichtlich der Frage, ob es auch tatsächlich gelingt, als Patient die
kritische Grenze von 10 bis 12 Triptanen pro Monat nicht zu
überschreiten, obwohl ausreichend Tabletten da wären (Von 3 - 4 Ärzten
geliefert). Wenn ich Patienten von vornherein ans Limit führe, ist der
Schritt bis zur Abhängigkeit sehr gering und die Prophylaxe gerät zu
Lasten der Beschaffungsproblematik aus den Augen. Viele Migränepatienten
neigen eh zur Selbstüberforderung und ausgerechnet die sollen dann bei
vollem Terminkalender die letzte Woche im Monat ohne Triptane auskommen
und "vernunftbedingt leiden"?
So lästig unter Umständen die Kontrolle
durch einen einzigen koordinierenden Arzt des Vertrauens sein kann, der
Warnung vor Nebenwirkungen sollte man nicht aus dem Weg gehen und
aufpassen, dass man selbst den Überblick nicht verliert.
Seit dem Jahr 2005 gilt nunmehr die
Empfehlung, Triptane an nicht mehr als 10 Tagen im Monat einzunehmen und
Kopfschmerzmittel allgemein an nicht mehr als 3 Tagen hintereinander zu
verwenden, um einen Schmerzmittel induzierten Kopfschmerz zu vermeiden.
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