Diskussion
Allergietestung alternativ
Auf der Suche
nach der Hauptursache ihrer Erkrankung greifen etliche Patienten auf Methoden
der Allergie- bzw. Unverträglichkeitstestung zurück. Die klassischen Tests wie
Prick-Hauttest, Atemprovokationstest oder Immunglobulinbestimmung (
IgE-Antikörper) bringen relativ eindeutige Hinweise auf massiv schädigende
Substanzen. Im "Alternativsektor" gibt es Feedbacktechniken, wie die
Elektroakupunktur (EAV), Muskeltests (Kinesiologie, Physioenergetik),
Nogierreflex (RAC), die Bindegewebstestung (Heidemann) u.a., mit denen in
sekundenschnelle Nahrungsmittel, Medikamente, Implantatstoffe o.ä. in ihrer
Wirkung auf den Körper getestet werden. Ein Zeigerausschlag, ein sich
verschiebender Puls, ein schwächerer oder stärkerer Muskel und eine
Spannungsänderung im Bindegewebe entscheiden dann u.U. über verträglich oder
unverträglich. Nach dem Urteil werden Nahrungsmittel gemieden, Zähne gezogen und
Zahnfüllungen entfernt und gegen "gut getestete" ersetzt, Medikamente genommen
und andere abgesetzt. Ganze Therapieverfahren werden nach der Testung
befürwortet oder abgelehnt. Es stellt sich die Frage, ob diese Tests
aussagefähig und präzise genug sind, um einen derartig massiven Einfluss auf die
zukünftige Lebensgestaltung der Getesteten zu rechtfertigen. Von der
Schulmedizin werden solche Methoden wegen mangelnder Reproduzierbarkeit
abgelehnt. Ich will hier einen anderen Kritikpunkt anführen: Bei den genannten
Testverfahren werden Reize gesetzt und der Körper antwortet sofort. Nun ist der
Mensch aber kein "statisches System", sondern ein "dynamisches". D.h. Reize
werden registriert und verarbeitet! Es gibt Sofortreaktionen und Spätreaktionen
(nach Stunden bis Tagen und länger). Der Soforttest gibt aber keinerlei sichere
Auskunft darüber, wie die Spätreaktion aussehen wird! Medikamente, die spontan
als schädlich getestet werden, können später, wenn sie in Einzelteile zerlegt am
Rezeptor ankommen, durchaus positiv sein. Genauso umgekehrt. Reize, die das
Hormonsystem anregen, entfalten ihre Hauptwirkung grundsätzlich erst sehr viel
später. Therapien wie Massagen u. Kneippsche Verfahren basieren im Wesentlichen
auf der Spätwirkung. Bei den Soforttests fallen sie u.U. gnadenlos durch. Pikant
wird es auch bei der Testung von Homöopathika, wo ja die Erstverschlimmerung
quasi als Gütekriterium gehandelt wird. Feedbacktests halte ich daher als
alleiniges!! Entscheidungskriterium zur Bestimmung von "gut oder böse" für
ungeeignet und sollten sie in den Händen wenig verantwortungsbewusster
Therapeuten liegen sogar für gefährlich!
Gleiches gilt für
die Interpretation von Lebensmittelallergietestungen, die sich auf die
Bestimmung der Immunglobuline vom Typ G beschränken. Hier werden in teurer
Labordiagnostik die Immunglobulin G - Antikörper auf bis zu 300 verschiedene
Lebensmittel semiquantitativ getestet und danach Auslassempfehlungen abgegeben.
Meist kann dann von dem Institut ein entsprechendes Nahrungsergänzungspulver
gleich mit erworben werden – schließlich will man ja Mangelsituationen
vermeiden. Nur: IgG-Antikörper gegen Nahrungsmittel entsprechen einer intakten
Immunantwort und lassen keine Aussage über einen krankmachenden Einfluss zu! Das
heißt: Aus einer Gruppe von Probanden mit hohen IgG – Werten für ein bestimmtes
Nahrungsmittel lässt sich nicht erkennen, ob und wer von diesen Leuten krank ist
oder mit Symptomen auf die Einnahme des getesteten Nahrungsmittels reagiert!
Hier droht ein Verlust an Lebensqualität und eine Fixierung auf irrelevante
Krankheitsfaktoren durch nicht gesicherte Diagnostik.
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